Gutes Karma dank Panchakarma

Bereits vor über 5000 Jahren gab es im alten Indien die Sanskrit-Wörter «ayus» und «veda». Übersetzt bedeutet das «die Wissenschaft vom langen Leben» und damals entstand auch das mittlerweile so beliebte Ayurveda.

Haben Sie auch schon von Panchakarma gehört? Damit kann man vielleicht gutes Karma sammeln, aber ansonsten haben die beiden Wörter nichts gemeinsam: Denn Panchakarma besteht aus fünf (pancha) Verfahren (Karma). Mit deren Hilfe werden Schlacken und Giftstoffe aus dem Körper ausgeleitet. Seien Sie gewarnt, die traditionelle Kur ist nur etwas für Hartgesottene, die mindestens vier Wochen Zeit mitbringen.

Die fünf Verfahren sind nämlich Vamana (gewolltes Erbrechen), Virechana (Abführung durch Einnahme von Ghee zum Entschlacken und Reinigen), Vasti (Kräuter-Einläufe, reinigt den Darm), Raktha Mochana (Blutreinigung durch Aderlass) und Nasaya (Reinigung der Nasenschleimhaut). Für alle, die eine Kur ohne Erbrechen und Aderlass bevorzugen, gibt es seit Mitte der 90er-Jahre immer mehr auf Ayurveda spezialisierte Resorts, wo sich Kur und Ferien prima verbinden lassen.

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Foto: Kamalaya, Koh Samui/Thailand

Trotzdem muss man wissen: Ayurveda sind keine Wellnessferien. Wer sich bequeme Massageliegen und wohlriechende Öl-Massagen bei entspannender Musik vorstellt, dürfte enttäuscht werden. Ayurveda ist — wie zum Beispiel auch die chinesische Medizin — ein bewährtes und umfassendes Gesundheitssystem. Tradition ist hier sehr wichtig. Die Massagen finden auf einer aus einem Stück Teakholz angefertigten Liege statt. Öl wird zwar reichlich verwendet, es riecht allerdings nicht unbedingt so, wie man es von Wellness-Massagen kennt. Auch Musik gibt es nur selten. Generell gilt: In den Ayurveda-Zentren herrscht Stille.

Die auf Ayurveda spezialisierten Resorts haben meist mehrere studierte Ayurveda-Ärzte angestellt. Für diese Ausbildung muss man ein sechsjähriges umfassendes Universitäts-Studium absolvieren und meistens findet sich eine lange Familientradition bei den Ayurveda-Ärzten und -Ärztinnen. Das gleiche Bild zeigt sich häufig auch bei den Therapeuten. Frauen werden übrigens aus kulturellen Gründen nur von Frauen und Männer stets von Männern massiert.

Im Ayurveda geht man davon aus, dass sich das Leben aus den fünf Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde zusammensetzt. Ayurveda unterscheidet somit die drei auf diesen Elementen basierenden Doshas Vata, Pitta und Kapha. Die Doshas sind Lebensenergien, die unseren Körper- und Hauttyp bestimmen und sich auch in Charaktereigenschaften spiegeln.

Stress, Rauchen, Alkohol oder falsche Ernährung bringen die Doshas durcheinander.

Bei der Geburt ist jeder Mensch im sogenannten Prakrtuhi-Zustand: die drei Doshas sind ausgeglichen. Stress, falsche Ernährung, Angewohnheiten wie Rauchen oder übermässiger Koffein- und Alkoholkonsum kann im Laufe der Zeit für eine Disharmonie der Doshas sorgen. Eine Ayurveda-Kur soll helfen, die Doshas wieder auszubalancieren, sodass der Körper und das Immunsystem entgiftet und gestärkt werden.

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Bild: Underneath The Mango Trees, Sri Lanka

Jede Kur beginnt mit einer Arzt-Konsultation: Dabei werden Zunge, Fingernägel und die Beschaffenheit der Haut genauer betrachtet. Dann folgen Fragen wie «Können Sie gut ein- und durchschlafen? Haben Sie regelmässigen Stuhlgang?» oder «Leiden Sie aktuell unter Beschwerden?» Dadurch und mit der oftmals abschliessenden Puls-Diagnose wird der individuelle Doshatyp ermittelt.

Danach bestimmt der Arzt die wichtigsten Behandlungen und stellt so eine  verkürzte Version der Panchakarma-Kur für jeden Kurgast oder Patienten zusammen. Fortan ist man täglich während 1,5 bis 3 Stunden mit der Kur beschäftigt. Beim Mittag- oder Abendessen gibt es — nebst teils abenteuerlich leuchtenden rein pflanzlichen Pillen oder leicht seltsam riechenden pflanzlichen Mini-Drinks — den persönlichen Behandlungsplan für den nächsten Tag.

Die Kur unterteilt sich in drei Phasen, die immer mit der Vorbereitung des Körpers mittels ausgiebiger Ganzkörper-Ölmassagen und Schwitzbädern startet. In diesen ersten Tagen beginnt bereits die Entgiftung, was sich oft in extremer Müdigkeit, Kopfschmerzen oder leichter Übelkeit äussert.

Die Öl-Stirngüsse können das Highlight sein, aber auch tiefe Emotionen auslösen.

Danach wird der Körper durch Intensivmassagen geschmeidig gemacht, und das Vata wird beruhigt. Während dieser Zeit erhalten die Gäste zum Trinken meist zwei bis drei Tage täglich Ghee (geklärte Butter) oder Öl in steigenden Dosen. Das sind die Abführ-Tage und eine besondere Diät ist sehr wichtig.

Das Ghee macht die Toxine im Körper weich und sammelt sie, sodass sie in den Verdauungskanal gelangen und dann ausgeschieden werden. Darauf folgt ein kleines Highlight: Die Öl-Stirngüsse. Während 45 Minuten rinnt kontinuierlich ein feiner Strahl warmes Öl über die Stirn des Kurgastes. Dabei wird man in einen fast schon meditativen Zustand versetzt. Die Öl-Stirngüsse können aber auch tiefe Emotionen auslösen, deren Vorhandensein einem bis dahin vielleicht gar nicht bewusst war. Am Ende der zweiten Phase fühlen sich die meisten Menschen deutlich besser und energiegeladener.

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Bild: Bali Mandala, Bali

Die letzten Tage der Kur widmen sich der Nachbehandlung, die mit weiteren Massagen und Schwitzbädern die restlichen Toxine aus dem Gewebe entfernt. Die Massagen sorgen für eine gute Durchblutung des Gewebes. Dadurch entspannen auch die Muskeln, und gleichzeitig wirde die Haut gereinigt. Durch den sanften Druck der Streichmassagen sendet der Körper Signale ans Gehirn, der Alterungsprozess kann so verlangsamt und die Bildung von Falten gehemmt werden.

Gegessen wird seinem Doshatyp entsprechend vegetarisch.

Während der ganzen Kur ernährt man sich seinem Doshatyp entsprechend. Im Allgemeinen gilt das Essen von Reis (meist gibts roten Reis), Obst, Gemüse, Süssspeisen, Ghee und Sesam als gesund. Meiden sollte man grundsätzlich Fleisch und Fisch, Eier, Käse, Konserven und Tiefkühlkost. Fetthaltige Speisen, auch Kaffee, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke sind ebenfalls tabu. Dafür trinkt man den ganzen Tag über warmes Wasser und ayurvedische Tees, die ebenfalls bei der Entgiftung helfen. Deshalb muss man etwas öfter als sonst die Toilette aufsuchen.

Zu jeder Ayurveda-Kur gehört ein ausgiebiges Yoga- und Meditationsprogramm. Das hilft, den Geist zu beruhigen, die Gedanken zu fokussieren und den Körper beweglich zu halten. Andere Sportarten wie Jogging oder teils auch Schwimmen, sind der Kur nicht förderlich. Meistens hat man dazu auch gar keine Lust. In den Ayurveda-Resorts trifft man nebst Mutter-Tochter-Kombination oder Paaren auch viele Alleinreisende jeglichen Alters an. Die Resorts haben keinen Spital-Charakter, einige beherbergen dennoch schwerkranke Menschen.

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Bild: Nikki’s Nest, Indien

Ayurveda erzielt aber auf jeden Fall schnelle und nachhaltige Erfolge. Es eignet sich nicht nur für Menschen, die ihr Immunsystem stärken wollen, sondern auch für solche mit chronischen Krankheiten wie Rheuma, Schlafstörungen, Hautkrankheiten, Migräne oder Asthma. Auch Burn-out-Betroffenen kann eine Ayurveda-Kur helfen. Menschen nach Chemo-Therapien können mit Hilfe von Ayurveda den mit Medikamenten und Schwermetallenen belasteten Körper sanft reinigen und das Immunsystem wieder aufbauen. Hierbei wird natürlich auch die Schulmedizin berücksichtigt.

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